Schmuck Journal

Über die Ausbildung zum Goldschmied / zur Goldschmiedin und was einen erwartet..

Über die Ausbildung zum Goldschmied / zur Goldschmiedin und was einen erwartet..

Inspiriert durch den Beitrag - Mein Praktikum beim Goldschmied - möchte ich etwas zur Berufs-Ausbildung zum Goldschmied / Goldschmiedin schreiben. Der folgende Text richten sich an alle, die den Beruf "Goldschmied" kennen lernen wollen und vielleicht eine Ausbildung zum Goldschmied / Goldschmiedin machen möchten und nach Informationen suchen.
Weiterlesen …

Der “Krätzwurm” -Käfig

“Krätzwurm” -Käfig
Was aber ist nun ein Krätzwurm? Ich hatte bisher noch nie etwas von einem solchen gelesen geschweige denn gehört gehabt, und das wo ich im Bio-Leistungskurs einer der besten war. Wer von euch kennt die Antwort??
Weiterlesen …
Vorwort
Mit großer Freude habe ich das Interesse zum Thema "Fassen von Edelsteinen" verfolgt. Jedoch habe ich viele Fragen bezüglich dem Fassen von Edelsteinen im Pavè erhalten und möchte dies nochmals vertiefen bzw. nochmals ein paar Detail anmerken.

Grundsätzlich hätte ich nicht vermutet, dass so viele nach dieser Anleitung arbeiten würden. Schon gar nicht mit soviel Erfolg. Eigentlich habe ich damit gerechnet das ganze Jahresproduktionen von Zirkonia bei den Übungsversuchen zerstört würden, jedoch scheint dies nicht der Falls gewesen zu sein, da ich noch immer auf die Dankesschreiben der Zirkonia - Hersteller für die Umsatzsteigerung warte ;)

Aber genug der Worte, kommen wir zum wesentlichen - der vergnüglichen Arbeit...  


Einfassen von Edelsteinen mittels Pavè
Erst einmal allgemeine gesagt, Pavé - Fassungen gehören zu den Fassungsarten, welche aus dem Metal herausgearbeitet werden. An verschiedenen Stellen in Teil 1-4 nannte ich solche Fassungsarten auch "Verschnitt".
Abbildung 2
Abbildung 2
Anders wie bei den meisten Krappenfassungen, Chatons oder Zargenfassungen (Justierfassungen) wird hier nicht mit aufgesetzten Fassungen gearbeitet, sondern bei diesem Verfahren werden eigentlich "nur" Löcher in das zu schmückende Schmuckstück gebohrt. Anschließend mit einem Fräser Vertiefungen gefräst und schließlich mit einem Fräser Vertiefungen gefräst und der betreffende Stein in die Vertiefung gelegt. Das eigentliche Fassen wird mit Hilfe eines Stichels und kleiner "Körner" erreicht die aus dem Material herausgehebelt/geschnitten werden. Diese Körner entstehen, wenn mit einem entsprechenden Stichel in das Material hinein gestochen und ein Span, wie eine Welle vor sich her getrieben wird, jedoch so, das er nicht abbricht und sich aus dem Material nicht vollständig löst. Dabei verhält es sich grundsätzlich so, je tiefer, breiter und länger ein solcher Schnitt mit dem Stichel wird, desto größer wird der Span, welcher erzeugt wird. Jedoch ist letztendlich die Größe des Spans durch die Verformbarkeit des  Material und natürlich der Kraft des Fassers begrenzt. Aber schauen wir uns erst einmal eine schematisierte Skizze einer typischen Pavé - Fassung an (Abbildung 1). Wie man gleich sieht, kann man mittels dieser Fassart, größere Flächen vollständig ausfassen. Hierbei bietet es sich teils an mit verschiedenen Steingrößen zu arbeiten, da so die gesamte Fläche optimal ausgenutzt werden kann. Welche

Steingröße verwendet wird, bleibt dem eigenen Geschmack überlassen. Jedoch wirkt eine Fläche am eindrucksvollsten, wenn möglichst viele kleine Steine verwendet werden. Um den Glitzereffekt noch zu steigern und evtl. Unregelmäßigkeiten zu kaschieren, bieten sich weiße Metalle wie Platin, Weißgold oder Silber als Untermetall an. Abgesehen von den Steinen selbst die das Licht reflektieren, glänzen auch die kugeligen Krappen zwischen den Steinen, welche das Glitzern unterstützen. Dies entsteht, da im fertigen Zustand, jede "Krappe" seine Umgebung spiegelt. Und da weißes Metalle, weiße Steine am besten wiedergeben, muss ich sicher niemanden erklären :D 

Aber wann ist es sinnvoll eine Fläche mittels Pavé auszufassen?
Diese Frage ist einfach zu beantworten, denn Pavè sieht wohl gut aus, hat jedoch auch gewisse Besonderheiten. 

Vorteile:

  • eindruckvolle Oberflächengestaltung
  • hochwertige Optik
  • sehr viele individuelle Gestaltungsmöglichkeiten


 Nachteile:

  • sehr hoher Arbeitsaufwand
  • hoher Verbrauch an Steinen
  • empfindlich gegenüber Abnutzung

Wenn man von Pavè spricht, sollte man auch ehrlich mit sich sein und einsehen, das es toll aussieht und diesen "Bohr!" - Effekt besitzt, jedoch sind die Oberflächen auch sehr empfindlich gegenüber mechanischer Abnutzung. Da grade diese Fassungsart davon lebt, dass die Krappen klein und die Abstände zwischen den Steinen gering sind, reagieren die Fassungen äußerst empfindlich auf Verformung des Untermetalls und auf Abrieb der Krappen.

Um zu verdeutlichen, was ich mit Verformung des Untermetalls meine, stellen wir uns folgendes Beispiel aus der Praxis vor: 

Wenn wir noch mal unseren Blick auf Abbildung 1 richten und uns den Umstand vorstellen, das Du diesen Ring einmal angefertigt und anschließend mit den Steinen ausgefasst hast, und nun möchte der Kunde diesen Ring nachträglich um 6 Nummern von 54 auf 60 vergrößert haben. 

Was passiert dabei mit unserer Ringschiene und den darin eingefassten Steinen?!

Ganz einfach – die Ringschiene verformt sich!

Damit die Vorgänge deutlicher werden und dieser Text bunter wird, habe ich mal mein Paint bemüht :) 
Wenn wir uns auf Abbildung 2 mal die Unterschiede es Umfanges bzw. des Durchmessers zweier so unterschiedlicher Ringweiten ansehen, fällt gleich auf was ich meine.

(Der Größenunterschied ist aus Gründen der Verdeutlichung etwas und nicht Maßstabsgetreu und nicht Maßstabsgetreu dargestellt)
Abbildung 2
Abbildung 2
Denn man sollte Wissen, das bei einer Weitenänderung wird im Normalfall ein Stück in die Ringschiene eingesetzt um die Weitenänderung zu bewerkstelligen. Nur bei sehr geringen Änderungen wie 0,5 – 1 Nummer kann man das Schmieden der Ringschiene mit gutem Gewissen vertreten. Dies aber auch nur wenn die Ringschiene noch stabil genug ist. (Breite, Stärke usw.)

(Es soll ja auch Leute geben die setzen in solchen Fällen überhaupt kein Stücke ein, sondern sie schmieden die Ringschiene grundsätzlich solange, bis die gewünschte Weite erreicht wurde. Daher sieht man gelegentlich auch Ringschienen die unten so dünn sind wie Papier… Aber da so etwas überhaupt nicht unserem Anspruch genügt
gehe ich auf solche Küchengoldschmiederein nicht weiter ein)die unten
so dünn sind wie Papier… Aber da so etwas überhaupt nicht unserem Anspruch genügt, gehe ich auf solche Küchengoldschmiederein nicht weiter ein)

Nun, wenn ich also die Ringschiene geöffnet habe und das zusätzliche Stück einsetze, muss ich die Ringschiene insgesamt etwas aufbiegen, damit ich wieder einen runden und keinen ovalen Ring erhalte. Hierbei wird Spannung auf die Ringschiene ausgeübt.
Abbildung 3
Abbildung 3
Das ist nicht weiter schlimm, jedoch hat dieser Umstand starke Auswirkungen auf die geschnittenen Fassungen. Denn das Material muss irgendwo hin wenn es verformt wird. Die Spannung sucht sich einen Schwachpunkt in der Ringschiene, an welchen sie die Spannung durch abknicken u.ä. los werden kann. Hier kommt unsere Fassung ins Spiel, denn die Bohrung der Fassung ist ein solcher Schwachpunkt. Abbildung 3. Das aufbiegen der Ringschiene bewirkt auf der Innenseite der Ringschiene ein „auseinander ziehen“. (hier mit gelben Pfeilen symbolisiert). Im gleichen Atemzug drückt die selbe Spannung die Fassung an der Außenseite zusammen. (hier rote Pfeile). (Würde ich mir die ehemals runden Bohrungen nun von unten oder oben anschauen, würde ich erkennen, dass diese nun oval sind.) Aber welche Auswirkungen hat das auf unsere Steine? Zum einen „könnten“ die Steine zerbrechen/platzen.  Aber realistisch betrachtet verläuft es meistens so, das der Stein aus der Fassung heraus nach oben gedrückt wird. (hier als grüner Pfeil). Da aber immer noch die Krappen im wege sind (hier blau), werden diese kurzerhand zur Seite gedrückt oder die Köpfe brechen einfach ab. Dies könnte bei einem vollkommen ausgefassten Ringkopf jedoch nicht nur bei einem Stein passieren – nein, bei vielen gleichzeitig. Da Pavé gefasste Flächen kaum optisch schön repariert werden können, würde einem im schlechtesten falle nur die Neuanfertigung bleiben. Daher sollte man es sich zwei mal überlegen ob es sinnvoll ist eine Fläche im Pavé auszufassen. Evtl. ist jemanden ja schon einmal aufgefallen, das zumeist geschützte Flächen im Pavé zusehen sind. zB Zifferblätter von Uhren, Creolen, Anhänger oder Ohrhänger. Alle dies sind Schmuckstücke welche nur durch einen unbeabsichtigten Unfall eine nachträgliche Verformung erleben. 

Zusammenfassend gesagt sollte also vor der Arbeit überlegt werden: 

  • Was soll ausgefasst werden?
  • Wie sieht die spätere Beanspruchung aus?
  • Ist das Material den Anforderungen gewachsen?
  • Ist meine Ringkopf überhaupt langfristig für diese Fassart geeignet? (Abtragung der Krappen) 

Ist alles geklärt, kann es los gehen. Wie du nun in etwa vorgehen musst, habe ich bereits in Teil 4 beschrieben. Eine erneute Erklärung spare ich mir an diesem Punkt. Jedoch habe ich nochmals ein paar Skizzen erstellt die noch mal Details zeigen sollen.
Abbildung 4
Abbildung 4
So könnte eine ausgefasste Oberfläche eines Ringkopfes aussehen. Die man sehen kann die die Steinfläche durch einen Rand vor Beschädigungen von den Außenseiten geschützt. Auch könnte die Ringschiene verformt werden, ohne das sich der Ringkopf selbst dabei verbiegt. Da dieser Ringkopf einen Unterbau besitzt, würde vermutlich ehr dieser verbiegen wie der Fläche oben selbst. Damit man in der Vielzahl von Krappen einen Anhaltspunkt hat, habe ich mal 6 Stück orange eingefärbt
Abbildung 5
Abbildung 5
Näher betrachtet, würde dies so aussehen. Wie gleich auffällt, halten bei diesem Beispiel jeweils alle rundum laufenden Krappen den Stein, jedoch halten sie im Grunde nicht nur den einen, sondern noch zwei weitere Steine. Eine Krappe alleine gesehen hat nur wenig Chance ein Stein sicher zu halten, aber die Tatsache, das sie dicht an dicht stehen und von allen Seiten her gestützt und eingeklemmt werden, lässt ein stabiles System entstehen. Aber wenn ich nun sagte, das einer dieser Steine einen Durchmesser von nur zB 1,70 mm hat (entspricht einem Diamanten – Brillantschliff ca. 0,02 ct.) und ich auch noch die Krappen dazu im Verhältnis sehe, versteht nun sicher jeder warum ich von einer geringen Belastbarkeit der Krappen gegenüber einer mechanischen Beanspruchung spreche. Zudem sollte ich daran erinnern, das diese Krappen mit Hilfe eines Stichels aus dem Metall herausgeschnitten werden müssen. Man sieht also, es wird verlangt eine sehr genaue und konzentrierte Arbeitsweise die mit System und ruhe getätigt werden muss.
Abbildung 6
Abbildung 6
Wenn Du dich nun fragst, wo denn die Krappen herkommen sollen, schauen wir uns meine letzte Abbildung an. Hier habe ich ein Beispiel für eine Möglichkeit aufgezeigt, von wo nach wo ein Schnitt mit dem Stichel verlaufen könnte. Hierbei stellt die Spitze der Dreiecke das Eindringen in das Material dar und das breite Ende die Stelle, wo der Span „hoch gedrückt, aufgerichtet“ wird. Dabei verhält es sich so, das durch diesen Span eigentlich noch nicht der Stein gehalten wird, sondern der Stein liegt zwischen Ihnen. Erst durch das herunterdrücken mit dem Kornseisen (der keine Kreis mit der Skizze) drückt den Span letztendlich auf den Stein und fixiert ihn. Dabei verformt sich der obere Teil des Spans wodurch er sich abrundet und die innere Form des Kornseisens annimmt er sich abrundet und die innere Form des Kornseisens annimmt. Wenn man nun noch ein kleines bisschen das Korneisen mit fiel Fingerspitzengefühl hin und her bewegt, beginnt dieser Span sogar an zu glänzen und wir haben unser erstes „Korn oder auch Krappe genannt“. Nun stellt sich aber leider gleich die nächste frage, denn, wenn ich den Span andrücke, drücke ich auch gleichzeitig mindestens 3 Steine einseitig herunter. Daher erfordert es viel Fingerspritzengefühl und Erfahrung die einzelnen Späne nur soweit herunter zu drücken, das sie zum einen den Stein halten könnten, aber nicht tiefer liegen wie die Späne, die anschließend niedergedrückt werden. Beachtet man dies nicht, werden die meisten Steine schief in der Fläche liegen und erinnern mehr an das Wattenmeer nach einem Sturm als ein eine harmonisch geschwungene Fläche. Soweit bis hierhin. Ich hoffe es hat allen Spaß gemacht und ich habe nicht zu viele neue Fragen aufgeworfen. 

Grüße
goOse







Direkte Aktionen im Forum: .
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten
.
Jetzt zum original Beitrag im Forum


Themen-Special Navigation

Teil1 Teil2   Teil3 Teil4 Ergänzung Teil 4