Nach 22 Jahren eingestellt: der Prix Golay
23.08.2008 23:00
Der 1985 etablierte Wettbewerb rund um die Perle fand 2007 zum letzten Mal statt
FACHBESUCHER UND SCHMUCKINTERESSIERTE, die in diesem Jahr die Baselworld besuchen, werden sie vergeblich suchen: Die 15 m lange Vitrine mit den experimentellen Arbeiten junger Goldschmiede am Stand des Schweizer Perlenspezialisten Golay. Nach 22 Jahren und beinahe ebenso vielen Wettbewerbsthemen rund um die Schönheit von Südsee- und Tahiti-, von Süßwasser- und Keshizuchtperlen hat sich Golay im letzten Jahr entschieden, den Wettbewerb einzustellen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil eine der Hauptpersonen, die maßgeblich an der Organisation und Umsetzung des Wettbewerbs beteiligt war, sich zur Ruhe gesetzt hat. Stefan Bodmer, der über viele Jahre hinweg eine beeindruckende Menge an Energie und Zeit in den Prix Golay investiert hat, hat sich unlängst zur Ruhe gesetzt. „Das Talent und das Engagement von Menschen wie Stefan Bodmer ist – wenn überhaupt – nur sehr schwer zu ersetzen“, heißt es dazu aus der Schweiz. Nichtsdestoweniger hat Golay allen Grund, voller Stolz auf das in den letzten 22 Jahren Erreichte zurückzublicken. Denn während dieser Zeit hat der Prix Golay jungen Goldschmieden verschiedentlich Gelegenheit geboten, ihrer Kreativität am Ende der Berufsausbildung freien Lauf zu lassen. Von Golay vorgegebene Themen und eine stets unterschiedliche Zahl und Zusammenstellung von Perlen, die zur Realisation der Schmuckideen verwendet werden, mussten und durften, verlangten viel kreatives Potenzial von den jungen Gestaltern. Die beteiligten sich – je nach Thema – besonders zahlreich am Wettbewerb. „Als wir 2005 das Thema „Talisman“ wählten, konnten wir uns nicht vorstellen, dass dies eine derartige Lawine von Ideen auslösen würde“, erinnert sich der langjährige Wettbewerbsleiter Stefan Bodmer.
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| Die letzte Siegerehrung: Bei der Preisverleihung 2007 bedankte sich Wettbewerbsleiter Stefan Bodmer (ganz rechts) bei allen Teilnehmern | Für ihre Neuinterpretation eines Colliers bekam Aurélie Schranz beim Prix Golay 2007 den „Großen Preis“ verliehen |
Die Herausforderung bestand darin, aus 10 Keshizuchterlen unter Berücksichtigung der traditionellen Bedeutung des Talismans einen Glücksbringer für die Zukunft zu schaffen. Andere Wettbewerbsthemen drehten sich beispielsweise um Themen wie Humor, Spiel, Ornament oder wie im letzten Veranstaltungsjahr 2007 um das Thema Collier. Hier galt es, aus jeweils 225 unterschiedlichen Kulturperlen einen Halsschmuck zu schaffen, der sich deutlich von einem klassischen Collier absetzt. „Der neuen Generation von Goldschmieden ist das sehr schön gelungen“, lautete das positive Fazit von Stefan Bodmer auch im letzten Jahr. Für viele junge Nachwuchsgestalter galt die Teilnahme am Prix Golay aber nicht nur als kreative Herausforderung, sondern auch als Sprungbrett in eine Berufskarriere. „Nicht wenige der Gewinner wurden durch ihre Teilnahme am Prix Golay von Herstellerfirmen entdeckt und fanden Arbeit in deren Designabteilungen“, so Alice Sieber, bei Golay zuständig für Marketing und Kommunikation. Und obwohl der Wettbewerb sowohl Schmuckliebhabern als auch Schmuckprofis eine Gelegenheit bot, originelle und oft auch überraschende Schmuckstücke zu entdecken, befand das Unternehmen, dass die Zeit zum Aufhören gekommen sei. In Zukunft wird sich Golay zum einen auf die eigenen Kollektionen konzentrieren und zum anderen die WWSF (Women's World Summit Foundation) unterstützen, indem alle Gewinne der „Pearl for Peace“-Kampagne der Schweizer Non-Profit-Organisation zuteil werden, die sich international für die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rechte von Frauen und Kindern stark macht.
Christel Trimborn












