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Schmuck mit Erlebnisfaktor

2008-05-07 01:52

Schmuck mit Erlebnisfaktor

WIR LEBEN IN EINER GANZ TOLLEN ZEIT, SAGT MARKUS SCHMIDT. DEN BEWEIS LIEFERT SEIN
„SCHMUCKWERK“, DAS SICH IN GUT EINEM JAHRZEHNT VON EINER ONE MAN SHOW ZUM INTERNATIONAL
RENOMMIERTEN UNTERNEHMEN ENTWICKELT HAT. WIR LÜFTEN DAS ERFOLGSGEHEIMNIS.




Der Ort, den Markus Schmidt vor 11 Jahren gewählt hat, um sein „schmuckwerk“ zu beginnen, ist ein besonderer. Idyllisch im Auwald von Ratingen bei Düsseldorf gelegen beherbergte er lange
Zeit die 1852 gegründete Papiermühle A. Bagel. Das historische Industrieensemble, in dem sich nach Ende der Papierherstellung eine Druckerei sowie verschiedene Büros und Ateliers angesiedelt
haben, ist nicht das einzig dieser Art im Ratinger Auwald. Das bedeutendste stammt von Johann Gottfried Brügelmann. Der Technikpionier gründete bereits 1783 am Stadtrand von Ratingen die erste mechanische Baumwollspinnerei auf dem europäischen Kontinent. Die Energie für seine Spinnerei Cromford – sie ist heute
ein Industriemuseum - lieferte der Angerbach. Der wiederum ergoss einige Kilometer weiter dann auch sein Wasser auf die Räder der Bagel’schen Papiermühle. Wer das „schmuckwerk“ besucht, wird auch heute noch von dem romantischen Rauschen des Angerbaches empfangen. Die Backsteinarchitektur der früheren Papiermühle bildet einen reizvollen Rahmen für das Vorzeigeunternehmen von Markus Schmidt und seiner Frau Heike. Die Maschinen im ersten der großzügigen Innenräume entsprechen ganz der Vorstellung früher Manufakturen, wie sie zu Beginn der Industrialisierung typisch waren. Es gibt Drehbänke und Fräsmaschinen, die von einem versierten Ingenieur bedient und für die Schmuckproduktion und den Werkzeugbau eingesetzt werden. Wesentlich komplettiert wird der Eindruck der traditionellen Manufaktur durch die Werktische der Goldschmiede, die sauber in Reih und Glied entlang der Fenster aufgereiht sind. Eine starke Arbeitsteilung, die später in der Schmuckindustrie entwickelt wurde, gibt es im „schmuckwerk“ aber nicht. „Jeder
unserer Goldschmiede ist für die komplette Fertigung seines Schmuckstücks verantwortlich“, erklärt Markus Schmidt. Die Maschinen dienten lediglich dazu, Stücke herzustellen, die in einer normalen Goldschmiedewerkstatt in dieser Form, in dieser Qualität und zu dem Preis nicht machbar seien. An industrielle Großserienfertigung hat der 1965 im schwäbischen Esslingen geborene Firmenchef auch nie gedacht. Aufgrund der geringen Stückzahlen und des Qualitätsanspruchs haben sich die technischen Hilfsmittel, die Maschinen und das Manufakturprinzip ergeben. „Wir machen außergewöhnlichen Schmuck als Manufaktur“, lautet das Credo.schmuck



Stufenplan zum Erfolg

Angefangen hatte alles 1983 mit einem Goldschmiedepraktikum in Südafrika, und zwar bei seinem Onkel, dem Inhaber der Goldschmiede Ritco in Port Elisabeth. Schon in den ersten Tagen wurde dem jungen Praktikanten klar, dass dies sein Leben sein würde. Ansonst eher vernunftbetont kommt Markus Schmidt beim Rückblick auf die erste Erfahrung mit dem Goldschmieden richtig ins Schwärmen: „Das hat so Spaß gemacht, das war so schön. Das war einfach meine Welt.“ Nach Südafrika war der 18jährige
von seinem Vater geschickt worden. Dieser meinte nämlich nach der Mittleren Reife seines Sohnes: „Wenn Du nicht weißt, was du machen willst, geh doch mal zu meinem Bruder.“ Bereits der Großonkel von Markus Schmidt war 1955 nach Südafrika ausgewandert. Dort arbeitete er zunächst als Fasser, gründete ein Juweliergeschäft und betrieb schließlich eine ganze Ladenkette. Wenige Jahre später zog es auch den Onkel von Markus Schmidt nach Südafrika, wo er ab 1960 eine Goldschmiedewerkstatt in Port Elisabeth aufbaute. schmuck

Für Markus Schmidt war nach dem Praktikum die Richtung klar.Sein nächster Schritt zum Schmuckmacher war von 1984 bis 1987 eine Goldschmiedeausbildung bei der Firma Willke in Überlingen am Bodensee. Schon damals wusste er, dass er sich irgendwann selbständig machen würde. Jeder in seiner Familie sei schließlich selbständig, erzählt Markus Schmidt. Er habe das nie anders erlebt, als dass man sein eigenes Ding mache. Seine gesamt Ausbildung orientierte sich über die Jahre immer an dem Ziel, später eine eigene Firma zu gründen. Nach der Lehre in dem kleinen Goldschmiedebetrieb in Überlingen sollte ein großer Industriebetrieb kommen. Es war die Produktionsstätte der Genfer Firma Chopard in Birkenfeld bei Pforzheim. Für den jungen Schmidt war es die große weite Welt. Er erlebte die Faszination, für Scheichs Uhren der absoluten Luxusklasse zu machen, die 500.000 Schweizer Franken kosteten. Er durfte für eine 17jährige Araberin ein kostbares Geschmeide zur Hochzeit anfertigen. Das sei völlig verrückt gewesen, meint er im Rückblick. Als Modellgoldschmied lernte er dabei, die aufwendigen Techniken der Schmuck- und Uhrenfertigung. Zur gleichen Zeit, zwischen 1987 und 1989, besuchte er eine Abendschule, um ergänzend sein Abitur zu machen. Danach stand eigentlich Amerika auf dem Programm. Markus Schmidt hatte sogar schon einen Job als Goldschmied in den USA. Weil es jedoch Probleme mit der Arbeitsgenehmigung gab, entschied er sich kurzfristig für eine Tätigkeit als Juwelengoldschmied bei der Firma Hundt in Haan. Zwischen 1989 und 1991 vertiefte er hier seine Kenntnisse in der Fertigung klassischen Juwelenschmucks. Zielstrebig beganner gleichzeitig, Betriebswirtschaft zu studieren, um sich kaufmännisch fit zu machen. Schließlich stand nach seinen Erfahrungen im Handwerk und der Industrie noch der Einzelhandel auf dem Plan. Klaus Kaufhold in Köln suchte damals einen Mitarbeiter. Es wurden drei weitere erfahrungsreiche Jahre für Markus Schmidt. Er betreute eines der renommierten Geschäfte von Klaus Kaufhold, arbeitete an der Entwicklung der hauseigenen Kollektion mit und konnte seine betriebswirtschaftlichen Kenntnisse im Fachhandel erproben. „Das Wichtigste für mich war es zu sehen, wie der Juwelier arbeitet, was für schöne Seiten er hat und welches seine Probleme waren. Das war die Basis für unsere Firma“, sagt Markus Schmidt im Rückblick. Er hatte das Handwerk, die Industrie und den Einzelhandel kennen gelernt. Aber erst bei Klaus Kaufhold ist ihm klar geworden, dass er später kein Fachgeschäft betreiben würde. „Ich wollte reisen, unterwegs sein, Sachen sehen. Ich habe da mehr so eine Zigeunerseele und musste raus!“ Diese Erkenntnis ließ nur eine Entscheidung offen: die eigene Produktionsfirma, die den schönen Namen „schmuckwerk“ in Kleinschreibung bekam.



Service, der Spaß macht

Anfang 1994 war es soweit. Ein Raum in der Papiermühle Bagel in Ratingen wurde als Goldschmiede eingerichtet. Die ersten beiden Monate verbrachte Markus Schmidt mit den notwendigen Umbauarbeiten. Im März setzte er sich ans Goldschmiedebrett und baute seine erste Kollektion, mit der er im April loszog, um die ersten Juweliere zu besuchen. Zu seiner Freude begannen sie, mit ihm zu arbeiten. Die Aktion konnte wiederholt werden: Zurück in die Werkstatt, Sachen machen, ausliefern und dann wieder los. „Wir konnten völlig frei, ohne Vorbelastungen, ohne Hilfe, aber auch ohne Vorgaben unsere Vision von einer Firma realisieren. Das ist etwas sehr Schönes, auf das wir stolz sind“, sagt der Firmenchef. Bereits im ersten Jahr konnte ein Mitarbeiter eingestellt werden. Er ist inzwischen Werkstattleiter. Jedes Jahr kamen ein bis zwei Leute dazu. Nach elf Jahren ist eine ordentliche „Familie“ herangewachsen. Einen Wunsch hat Markus Schmidt jedoch inzwischen aufgegeben: eine ganz große Firma zu haben. Er fühlt sich richtig wohl in seinem Team, in dem alle sehr persönlich miteinander umgehen. Es sei ein tolles Gefühl, nach einer Reise hier herzukommen oder unterwegs zu wissen, dass man Mitarbeiter habe, auf die man sich total verlassen kann, schwärmt Schmidt und sagt: „Alle arbeiten, als sei es ihre eigene Firma – und das ist sie ja auch.“ Zu dem ersten Raum in der alten Papiermühle kamen mit dem Wachstum des Unternehmens weitere hinzu. Schmuckwerk hat inzwischen, nach elf Jahren kontinuierlicher Entwicklung, fast 400 qm in Beschlag genommen. 250 Fachgeschäfte in Europa werden von der jungen Manufaktur beliefert, davon allein 200 in Deutschland. Darunter befinden sich die besten Juweliere und Galerien. Gefragt nach dem Geheimnis seines Erfolges sagt Markus Schmidt: „Weil wir erstens außergewöhnlichen Schmuck machen, der verkäuflich ist und den es so in der Form, in der Qualität und im Preisleistungsverhältnis nicht gibt. Weil wir zweitens einen Service bieten, der Spaß macht und keine Probleme verursacht.“ Es gehört zu den besonderen Stärken von schmuckwerk, den Fachhändler in allen Bereichen zu unterstützen.schmuck
Kinder brauchen Namen

Ausgangspunkt für die erste Schmucklinie war ein moderner Perlring, den Markus Schmidt 1991 noch bei Kaufhold entworfen hatte. Der Perlspannring war ein Entwurf für einen japanischen Perlschmuckwettbewerb. Einen Spannring für Perlen habe es damals auf dem Markt nicht gegeben. Der einzige moderne Perlring kam von Lapponia, erzählt Markus Schmidt. Weil es seine Idee war, konnte er diesen Entwurf mit in die Selbständigkeit übernehmen. Darauf aufbauend entwickelte der Newcomer eine Kollektion, in der Perlen außergewöhnlich und zeitgemäß eingesetzt wurden. Später kam der Brillant als „Hauptdarsteller“ hinzu. Die „Nische“ Perlschmuck erwies sich beim Start als ein Glücksfall, denn sie war von den traditionellen Perlenimporteuren noch kaum belegt. Markus Schmidt ist überzeugt, dass seine Firma nicht unwesentlich dazu beigetragen hat, zeitgemäßen Perlschmuck populär zu machen. Typisch für alle Linien von schmuckwerk, die im Lauf der Zeit entstanden, sind originelle Namensgebungen, welche die Schmuckstücke erklären, aber auch die Funktion von Schmuck neu definieren. Die Spannweite der Begriffe ist groß. Zur poetisch klingenden „Wolkenkollektion“ gesellten sich der provokativ klingende „Pickelring“ und die originelle „Rassel.“ Erst eine Kundin habe es abgelehnt, den Pickelring zu kaufen, weil ihr der Name nicht gefallen habe. „Die meisten finden das Klasse“, meint Schmidt. Der Name Rassel wurde geboren, als ein Radioteam bei einer Reportage über schmuckwerk feststellte, dass es der erste Ring war, den man durchs Radio hören konnte. Der Radiosprecher berichtet seinen Hörern dann, dass dieser Ring die wohl teuerste Babyrassel der Welt sei. Warum die Stücke von schmuckwerk so erfolgreich sind, hat ganz wesentlich mit Heike Schmidt zu tun. Sie ist nicht nur Partnerin im Privatleben von Markus Schmidt, sondern auch in der Firma. Ihre Aufgabe ist der Backoffice Bereich mit Buchhaltung und Organisation, während ihr Mann für den Vertrieb und das Marketing verantwortlich ist. „Ich bin eher der Kreative und Verrückte. Heike führt das alles wieder auf das Machbare zurück“, sagt Markus Schmidt. Jeder habe seinen Bereich, aber alle wichtigen Entscheidungen würden gemeinsam getroffen: alle Entwürfe, alle Modelle, sei es vom ihm, von Mitarbeitern oder externen Designern. Was Heike Schmidt nicht frei gibt, kommt auch nicht in die Kollektion. „Die zwei-, dreimal, in denen ich mich gegen ihre Meinung durchsetzte, haben dann auch nicht funktioniert“, gibt Markus Schmidt freimütig zu. Seine Frau habe ein ganz tolles Gefühl für Schmuck.

Wie man Frauen gewinnt

Der Erfolg von schmuckwerk ist umso bemerkenswerter, als sich im vergangenen Jahrzehnt die Schmuckbranche markant verändert hat. Der Anspruch der Schmuckträgerinnen hat sich in dieser Zeit entscheidend gewandelt. „Dinge, die vor einigen Jahren noch ein Thema waren, funktionieren heute nicht mehr“, sagt Schmidt und fasst sein Konzept so zusammen: „Für unsere Schmuckträgerin möchten wir etwas Besonderes bieten. Neue Erlebnisse, z.B. Klangerlebnisse, haptische Erlebnisse, Techniken, die man entdeckt, wenn man damit umgeht. Das ist etwas Überraschendes, das beschäftigt die Schmuckträgerin, das macht Spaß. Wir bieten nicht nur den Schmuck zum Anschauen und Zeigen, sondern wir machen Schmuck, mit dem man etwas erleben kann.“ Dahinter verbirgt sich die Erkenntnis, dass viele Frauen zuhause ausreichend Schmuck im Tresor haben. Weil sie sich nur in etwas Neues und Besonderes verlieben, verfolgt schmuckwerk nur ganzheitliche Ideen, die verschiedene Dimensionen beinhalten. Hinzu kommt, dass die Ratinger Firma für den Juwelier ein außergewöhnlicher Partner sein möchte. Dabei sei man analytisch vorgegangen und habe die besten Firmen der Branche in ihren Einzelleistungen, von der Produktpalette über Marketing, Vertrieb und Service, überprüft. Markus Schmidt: „Das war für uns die Benchmark. Wir wollten mindestens so gut sein, wie die Besten, wenn nicht noch besser.“ Daraus sind neue Wege für den Einzelhändler entstanden: Schulungen, Kooperationen, Hilfe beim Warenwirtschaftssystem. Während der traditionelle Vertreter versucht, einem Juwelier etwas zu verkaufen, macht man sich bei schmuckwerk auch ein Stück verantwortlich für die Ware des Juweliers. „Wir versuchen, dass der Juwelier unseren Schmuck verkaufen kann“, lautet die Devise. Was sich nicht verkaufen lässt kann der Juwelier wieder zurückgeben und die Dinge beziehen, die bei ihm funktionieren. Im Endeffekt bedeutet dies, dass ein Juwelier keine „Altware“ von schmuckwerk am Lager hat. „Nichts ist schlimmer, als wenn Ware Jahre lang daliegt und sich nicht bewegt“, sagt Schmidt.

So hört man in der alten Papiermühle, in der sich die junge Schmuckmanufaktur vor 11 Jahren eingerichtet hat, auch keine Klagen über die schwache Konjunktur oder die schwierigen Zeiten.
„Die Zeit ist heute ganz Klasse. Weil man ganz anders gefordert ist als in einer Zeit, wo alles von selbst läuft“, erkennt der Inhaber. Er ist der Meinung, dass die meisten der gegenwärtigen Probleme hausgemacht sind. Neue Ideen seien gefragt bei Schmuck, aber auch bei seiner Vermarktung. Wer sehr kreativ, aktiv und sehr fleißig sei, der stehe heute vorne dran. Es gebe Juweliere, die in den letzten beiden Jahren sehr gute Geschäfte gemacht hätten ebenso wie Schmuckhersteller. Wem es nicht so gut geht, sollte nicht sagen, das liege an der Konjunktur. Es gebe für jede Zeit Konzepte, die funktionierten. Im Jahr 2000 war das bei schmuckwerk die „Wolke“, die nach der ersten strengen Phase der 1990er Jahre etwas mehr Verspieltheit bedeutete. Mit dieser poetischen Linie lag man bereits vor dem 11. September 2001, der auf breiter Ebene das Bedürfnis nach mehr Sanftheit und Gefühl auslöste, goldrichtig. Daraus entwickelte sich ein ganz neues Segment. Schließlich haben sich auch die Preislagen verändert. In der früheren Hauptpreislage von schmuckwerk zwischen 500 und 1000 Euro ist es deutlich ruhiger geworden. Dafür verkaufen sich deutlich exklusivere Sachen besser als je zuvor. „Wenn jemand ein besonderes Schmuckstück erwirbt, dann darf es ruhig auch etwas mehr kosten,“ sagt Markus Schmidt. Als Gegenpol hat sich ein Markt bei 100 bis 200 Euro etabliert. Auch da spielt Schmuckwerk mit, beispielsweise mit Kautschukschmuck, der zum zehnjährigen Jubiläum heraus kam. Es scheint ganz so, als hätten die variantenreichen Lehr- und Wanderjahre von Markus Schmidt, die in Port Elisabeth begannen, für jede Lebenslage die richtige Antwort parat. Und dann gibt es ja auch noch Heike Schmidt, die immer dann rechtzeitig den Daumen senkt, wenn etwas in die falsche Richtung gehen könnte.







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